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Flüchtlinge in Wollershausen bedanken sich

 „Es gibt hier viele freundliche, hilfsbereite Menschen“

Flüchtlinge Wollershausen

 

Gottesdienst mit Flüchtlingen in der St.-Marien-Kirche: Maedeh , Naser, Jeganeh und Zohre mit persischen Leckereien. Foto: Pförtner

 

Mahdi Eslamizadeh Mohammadyan lächelt, als er den Gemeindemitgliedern nach dem Gottesdienst in der Marienkirche Kaffee einschenkt. Der 42-jährige Iraner und seine Familie haben eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre erhalten.

Der Iraner schüttelt viele Hände. Viele Gemeindemitglieder wollen nach dem Gottesdienst mit ihm und seiner Familie sprechen. Die Leute scherzen in der Kirche bei einer ­Tasse Kaffee oder Tee und Gebäck. „Wir haben in der Kirche viele ­Menschen kennengelernt“, sagt Mohammadyan. „Sehr freundliche Menschen.“

Die Familie Mohammadyan ist vor fast zwei Jahren aus der iranischen Stadt Mashad nach Wollershausen gekommen. Mashad ist mit über drei Millionen Einwohner die zweitgrößte Stadt Irans. Sie ist ein politisches und religiöses Zentrum, das jährlich von mehr als 20 Millionen Touristen und Pilgern besucht wird.

Taufunterricht
mit Dolmetscher

Die Familie Mohammadyan kam nach Deutschland, weil sie hier als Christen leben wollen. Sie gehören zu den 19 Geflüchteten, die Pastor Jens-Arne Edelmann in den vergangenen zwei Jahren getauft hat. Der Taufunterricht fand mit Dolmetscher statt. „Es gibt viele Kirchen im Iran“, sagt Omid Korshidi, der 31 Iraner spricht schon etwas besser Deutsch und dolmetscht. „Aber es ist verboten, zu konvertieren“, erläutert er. Nach der Scharia kann das mit dem Tode bestraft werden.

Mahdi Mohammadyan und seine Frau Zohre haben zwei Söhne im Alter von zehn und 18 Jahren und eine Tochter, die sechzehn ist. Seit letztem Jahr haben sie außerdem ein Baby. Eine weitere Tochter des Ehepaars Mohammadyan lebt im Iran. Sie ist dort verheiratet. Mohammadyan hat in seiner alten Heimat als Ingenieur gearbeitet. Er hatte eine Firma, die Fahrstühle gebaut hat. Seine Frau half im Geschäft. Mohammadyan entschuldigt sich manchmal für sein schlechtes Deutsch. Zum Sprachkurs fährt er nach Duderstadt. Die deutsche Sprache sei schwierig, sagt Mohammadyan. Auch wegen der vielen Artikel. „Englisch ist viel einfacher.“ In der Volkshochschule belegt die Familie aus dem Iran, die in Wollershausen die Kirche geputzt hat, auch einen Integrationskurs „Leben in Deutschland“. Sie lernen etwas über das politische System der Bundesrepublik und auch etwas über die Geschichte, den Zweiten Weltkrieg und die Zeit danach.

„Die Familie Mohammadyan ist eine Bereicherung für die Gemeinde“, sagt Pastor Edelmann. Im Vergleich zu den Menschen in Iran seien die Deutschen viel öfter für sich und vereinzelt, teilt Edelmann mit. Die Iraner seien es gewohnt, öfters mit vielen Leuten zusammen zu kommen. Sie träfen sich öfters draußen und seien nicht so oft in ihren Häusern. Mohammadyan würde gerne wieder arbeiten, doch seine Arbeitszeugnisse werden in Deutschland nicht anerkannt. Deswegen will der Unternehmer noch einmal eine Ausbildung machen. „Als Elektriker oder Mechaniker. Aber zuerst muss das Deutsch besser werden.“

Die Iraner hätten manchmal Heimweh, übersetzt Khorshidi. „Aber das liegt an uns, weil wir unsere Familien im Iran vermissen. Deutschland ist ein schönes Land und es gibt hier viele freundliche, hilfsbereite Menschen.“ Einer, der der Familie sehr geholfen hat, ist Theo Sommer. Er half bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche und, wenn es darum ging, eine Schule für die Kinder zufinden oder eine neue Einrichtung. Sommer arbeitet bei der Osteroder Tafel. „Er ist fast wie ein Vater für uns“, sagt Zohre Mohammadyan. Die Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen (GAB) hilft auch. Sie betreibt in Wollershausen eine Notunterkunft für Flüchtlinge, in der etwa 70 Personen leben. Die GAB leiste „eine Grundhilfe“, sagt Pastor Edelmann. Darüber hinaus gebe es viel Hilfsbedarf.

Familie Mohammadyan ist froh, eine neue, größere Wohnung in Northeim gefunden zu haben, wo der Sohn auch die Grundschule besucht. Sie pflegt den Kontakt zur Kirchengemeinde in Northeim. „Wir danken Pastor Edelman und auch seiner Frau“, sagt das Ehepaar.

Englisch ist viel einfacher.

Mahdi Mohammadyan, Geflüchteter aus Iran

 

Von Julian Habermann

 

entnommen aus dem Eichsfelder Tageblatt vom 09.04.2018

 


http://samtgemeinde-gieboldehausen.de
erstellt am 11.04.2018

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